Zwischen zwei Welten

Zwischen zwei Welten

Grafik mit hebräischer Schrift

Hotline für hebräischsprachige Menschen in Deutschland 

„Matan“ – eine hebräischsprachige Hotline zum Zuhören und Unterstützen, ist ein Grassroots-Projekt, entstanden aus der hebräischsprachigen Community in Deutschland, gegründet auf Initiative der gemeinnützigen Organisation „Zusammen Berlin“ (Israeli Community Europe e.V.). Die Hotline wird in gemeinsamer Trägerschaft der ZWST und des Beratungsstellenverbundes OFEK e.V. und in Kooperation mit der Kirchlichen Telefonseelsorge (KTS) durchgeführt sowie von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert. Ziel des Projekts ist es, hebräischsprachigen Menschen in Deutschland, die sich in Schwierigkeiten oder in einer Notlage befinden, telefonische Beratung anzubieten, kostenlos und anonym. Das Hauptaugenmerk der Hotline liegt auf der unmittelbaren Unterstützung der Anrufenden bei der Erstkontaktaufnahme. Bei Bedarf wird Hilfe geleistet bei der Suche nach spezifischen Diensten und Fachkräften für weitere Unterstützung. Die Hotline zielt unter anderem darauf ab, Dienstleistungen in Deutschland für hebräischsprachige Menschen zugänglich zu machen und die Verbindung mit relevanten Ressourcen zu vereinfachen.

Ein Jahr des Wachstums und der Resilienz: Das Jahr 2025 markierte einen Wendepunkt für Matan. Zwischen Januar und September verzeichnete die Hotline 302 Anrufe – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (150 Anrufe im Jahr 2024 im gleichen Zeitraum). Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die sich in Momenten von Einsamkeit, Verunsicherung oder Belastung gemeldet haben – auf der Suche nach einem sicheren Ort, an dem sie Hebräisch sprechen, verstanden werden und sich weniger allein fühlen können.

Die Geschichten spiegeln den emotionalen Puls einer Gemeinschaft wider, die zwischen zwei Welten lebt. Die meisten Gespräche drehten sich um Themen des Alltags – Arbeit, Beziehungen, Familie, finanzielle Sorgen und die Herausforderungen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Der Krieg und die politischen Spannungen waren häufig im Hintergrund spürbar, bestimmten jedoch nur selten das eigentliche Gesprächsthema. Die Anrufenden suchten vor allem nach Verbindung, Verständnis und nach Wegen, die alltäglichen Schwierigkeiten ihres Lebens im Ausland zu bewältigen.

Arbeiten im Krisenmodus: Mit dem Ausbruch des israelisch-iranischen Krieges arbeitete Matan über mehrere Monate im Krisenmodus. Die Hotline war länger geöffnet, das Team war häufiger erreichbar, und es wurden psychoedukative Artikel auf Hebräisch veröffentlicht, um Menschen dabei zu unterstützen, ihre emotionalen Reaktionen zu verstehen und zu regulieren.

In Zusammenarbeit mit OFEK e.V. und ICE (Israeli Community Europe e.V.) wurden Online-Safer-Space-Gruppen auf Hebräisch organisiert – virtuelle Gesprächsräume, in denen Israelis einander begegnen, sich austauschen und das Erlebte gemeinsam verarbeiten konnten. Bei Bedarf wurden Anrufende an OFEK e.V. weitervermittelt, um dort psychologische oder therapeutische Unterstützung zu erhalten. So konnte eine kontinuierliche Betreuung gewährleistet und die Brücke zwischen emotionaler Begleitung und professioneller Beratung geschlagen werden.

Ausblick: Das Jahr 2025 hat gezeigt, wie unverzichtbar Matan geworden ist. Der deutliche Anstieg der Anrufe ist nicht nur ein Zeichen wachsender Bekanntheit, sondern auch Ausdruck eines zunehmenden Bedarfs an kultursensibler emotionaler Unterstützung innerhalb der hebräischsprachigen Gemeinschaft in Deutschland.

Ab November 2025 hat Matan sein Angebot erweitert und zwei neue Vormittagsschichten pro Woche hinzugefügt. Damit ist es erstmals möglich, die Hotline auch tagsüber zu erreichen – ein wichtiger Schritt, um noch besser auf die Bedürfnisse der Anrufenden einzugehen.

Matan wird weiterhin sein Team ausgebildeter Freiwilliger stärken, die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vertiefen, den Zugang zu psychologischer Unterstützung auf Hebräisch ausbauen und mehr Räume für Zuhören, Austausch und Zugehörigkeit schaffen.