"Strong. Jewish.Here"

Unter dem Motto „Strong. Jewish. Here.“ kamen rund 400 jüdische junge Erwachsene aus ganz Deutschland in Hamburg zum bundesweiten Jugendkongress der ZWST zusammen, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Vier Tage lang wurde diskutiert, gelernt, gebetet, gelacht und gefeiert – geprägt von Gemeinschaft, Haltung und einem klaren Bekenntnis zu jüdischem Leben in Deutschland.
Der Auftakt stand im Zeichen von Begegnung und Vision. Beim interaktiven World Café „Ideas meet Vision“ setzten Abraham Lehrer (Präsident der ZWST), Dr. Josef Schuster (Präsident des Zentralrats), S.E. Ron Prosor (Botschafter des Staates Israel in Deutschland), Jan Pörksen (Staatsrat und Chef der Hamburger Staatskanzlei) sowie Philipp Stricharz (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hamburg) Impulse für Dialog und Austausch. Das Format lebte vom Mitmachen: Mit Leitfragen und Gesprächsanregungen kamen die Teilnehmenden schnell miteinander ins Gespräch, lernten sich kennen, diskutierten Perspektiven und entwickelten Ideen weiter. Der Abend klang mit einer Comedy-Show von Juri Belenki und Garry Fischmann humorvoll aus.
Der zweite Tag begann mit vielfältigen Touren durch Hamburg – von Speicherstadt und Kontorhausviertel über Elbphilharmonie und St. Pauli bis hin zu Street Art, Spiegel-Verlagshaus, Airbus-Werk, Josef-Carlebach-Bildungshaus und Dialogue Museum.
Besonders bewegend war am Nachmittag der Vortrag „Choosing Light over Darkness“. Iris und Tuval Haim, Mutter und Bruder von Yotam Haim, berichteten offen von ihrem Verlust. Yotam wurde am 7. Oktober 2023 von der Hamas als Geisel verschleppt und auf der Flucht irrtümlich von der IDF getötet. Die Veranstaltung war musikalisch begleitet: Tuval spielte Schlagzeug und sang. Mithilfe von Videoaufnahmen von Yotam, der ebenfalls Schlagzeuger war, konnten die Brüder auf besondere Weise weiter gemeinsam musizieren. Musik wurde so zu einem Raum der Erinnerung und zu einem Ausdruck von Verbundenheit über den Tod hinaus.
Auf dem Podium „Demokratie im Stresstest – Politische Verantwortung im Angesicht von Hass“ diskutierten Ralf Stegner (MdB, SPD), Lamya Kaddor (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Ron Dekel (Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, JSUD), Dr. h.c. Katharina von Schnurbein (Koordinatorin der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens) sowie Dr. Felix Klein (Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus). Moderiert wurde das Gespräch von Joshua Schultheis (Redakteur der Jüdischen Allgemeinen). Foto oben (v.re.)
Am Freitag Abend wurde gemeinsam festlich Schabbat gefeiert. In den Workshops am Samstag diskutierten die Teilnehmenden unter anderem mit Pnina Tamano-Shata (Mitglied der Knesset und ehemalige Ministerin für Aliyah und Integration), moderiert von Hanna Veiler (Präsidentin der European Union of Jewish Students), über „Female Leadership during the October 7–23 War“. Ronya Othmann (Autorin und Journalistin) sprach über die Situation von Minderheiten nach dem Sturz Assads in Syrien. Die Journalistin Mazal Mualem analysierte die politische Macht von Benjamin Netanyahu. Frederik Schindler (Journalist und Autor) stellte sein Buch „Höcke – Ein Rechtsextremist auf dem Weg zur Macht“ vor. Weitere Gespräche behandelten jüdische Perspektiven auf den 7. Oktober, die Unterstützung von Werder-Fans für Hersh Goldberg-Polin sowie die Sichtbarkeit marginalisierter Communities. Nach Hawdala und Begegnungen mit Organisationen wie OFEK, Makkabi Deutschland, Keshet Deutschland und dem Deutsch-Israelischen Freiwilligendienst endete der Tag mit der legendären Juko-Party – in diesem Jahr auf einem Schiff, ein besonderes Highlight in Hamburg.
Am letzten Tag stand die Diskussion „Wehrpflicht ohne Ausnahme – Wer muss heute für Deutschland kämpfen?“ im Mittelpunkt. Es diskutierten Zsolt Balla (Militärbundesrabbiner), Johannes Baranski (Oberstabsgefreiter und Vorstandsmitglied im Bund jüdischer Soldaten), David Giesser (Reservist der IDF und Mitglied im Verband jüdischer Studierender Hessen), Anna Zhukovets (Regisseurin und Journalistin), Maya Roisman (politische Bildnerin), Daniel Botman (Geschäftsführer des Zentralrats) sowie Aron Schuster (Direktor der ZWST). Moderiert wurde die Diskussion von Ron Dekel (Präsident der JSUD). Parallel fand die JSUD-Vollversammlung statt.
Vier intensive Tage gingen zu Ende – voller Gespräche und neuer Netzwerke. Der Jugendkongress 2026 hat gezeigt: Jüdisches Leben in Deutschland ist präsent, vielfältig und selbstbewusst. Strong. Jewish. Here. Regina Potomkina, ZWST