20 Jahre Migrationsberatung

20 Jahre Migrationsberatung

Blick auf eine Podiumsdiskussion

Fachtagung im Synagogenzentrum Potsdam 

Anlässlich des 20jährigen Bestehens der bundesgeförderten Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) haben das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und der Bund der Vertriebenen (BdV) einen Fachkongress „20 Jahre MBE im Wandel: Ein Bundesprogramm mit Wirkung vor Ort“ organisiert. Rund 150 Expert:innen und Fachkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet zogen am 11. Juni im Synagogenzentrum Potsdam Bilanz und richteten den Blick auf aktuelle Herausforderungen der Migrations- und Integrationspolitik. Erstmalig wurde eine Veranstaltung dieser Größenordnung in einer jüdischen Einrichtung durchgeführt, was dem Kongress auch symbolisch eine besondere Bedeutung verlieh. 

Abraham Lehrer (Präsident der ZWST) eröffnete die Tagung und betonte: „Dass wir heute hier zusammenkommen, ist mehr als ein gelungener organisatorischer Rahmen, denn dieses Haus ist ein Ort eines von Migration geprägten jüdischen Lebens. Daher ist das Synagogenzentrum Potsdam so passend für einen Kongress über Migrationsberatung. Integration gelingt dort, wo Menschen Schutz, Orientierung, Zugehörigkeit und eine reale Chance auf Teilhabe erfahren. Wenn wir wollen, dass Zugewanderte ihren Platz in dieser Gesellschaft finden, dann müssen wir die Einrichtungen stärken, die sie auf diesem Weg begleiten.“

 Es folgte eine Videobotschaft von Daniela Ludwig (Parlamentarische Staatssekretärin im BMI), Grußworte von Michael Griesbeck (BAMF-Vizepräsident), Achim Meyer auf der Heyde (BAGFW-Präsident) sowie Brigitte Meier (Sozialdezernentin Potsdam). 

Den inhaltlichen Auftakt setzte eine Keynote von Prof. Dr. Hannes Schammann (Universität Hildesheim) zur Migrationsarbeit im Kontext aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. In einem hochrangig besetzten Podium tauschten sich Vertreter:innen des BMI, des Berliner Senats, der Bundesagentur für Arbeit, des Bundes der Vertriebenen, der Diakonie Deutschland sowie der Landeshauptstadt Potsdam zu Fragen von „Integrationsarbeit in unsicheren Zeiten“ aus. 

In der zweiten Tagungshälfte vertieften Diskussionsforen zentrale Zukunftsthemen der Migrationsberatung. Ein Forum widmete sich Erfolgsfaktoren gelingender Kooperation zwischen MBE- Standorten und Regeldiensten wie Jobcentern und kommunalen Angeboten, praxisnah unterlegt durch Erfahrungen aus Leipzig und dem Burgenlandkreis. Ein weiteres Forum befasste sich mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Beratungspraxis, mit Chancen, Grenzen und der Frage nach niedrigschwelligen Zugängen für Ratsuchende. Weitere Foren stellten aktuelle Evaluationsergebnisse zur Wirkung der MBE vor, diskutierten die Rolle der Beratung im kommunalen Gefüge sowie die Verzahnung mit landesgeförderten Programmen. 

Eine Reflexionsrunde brachte Vertreter:innen von BMI, BAMF, Wohlfahrtsverbänden, Kommunalpolitik und eine Beratungskraft aus der Praxis zusammen, um die Ergebnisse der Foren zu bündeln und Perspektiven für die Weiterentwicklung des Bundesprogramms MBE zu skizzieren. Abschließend gab die Journalistin Amira El Ahl, die auch die gesamte Tagung moderierte, einen Ausblick.

Dagmar Bluthardt, Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs, Leiterin der Sozial- und Migrationsabteilung: „Bei der MBE-Tagung wurde deutlich, dass gut zusammengearbeitet wird - von der Bereitstellung der Gelder, über die Entwicklung der Richtlinien, von den Kommunen und Trägern bis hin zu Wissenschaft und Praxis. Der Austausch hat gezeigt, wie wichtig verlässliche Strukturen für die Planungssicherheit sind, damit wirksame Beratung stattfinden kann. In den letzten 21 Jahren hat das gut geklappt. Deshalb hoffen wir in diesem Fall auf ein ‚weiter so‘“.

Info: Die ZWST hat 20 Beratungskräfte an 16 Standorten (davon 1 mobiler Standort) im Einsatz. Sie verzeichnet mit über 5.000 Ratsuchenden, davon  zirka 75% geflüchtete Ukrainer:innen, einen anhaltend hohen Beratungsbedarf.