"Fundament des Wiederaufbaus ohne Max Willner undenkbar"








Zum 120. Geburtstag erinnert die ZWST an ihren langjährigen Direktor und Auschwitz-Überlebenden Max Willner
“Es war kein leichtes Unterfangen, einen Spitzenverband der jüdischen Wohlfahrtspflege auf den Trümmern einer untergegangenen Welt neu entstehen zu lassen.” - Max Willner
Am 24. Juli 1906 wurde Max Willner in Gelsenkirchen geboren. Willner (1906 - 1994) war von 1958 bis 1979 geschäftsführender Direktor der ZWST. Er wuchs in Nürnberg auf und ging Ende der 1920er Jahre nach Berlin, wo er als Kaufmann arbeitete. 1939 wurde er verhaftet und bis 1945 in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Auschwitz, Flossenbürg und Dachau verschleppt. Er überlebte und kehrte nach Deutschland zurück.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging er nach Offenbach am Main und beteiligte sich dort an der Neugründung der jüdischen Gemeinde, deren erster Vorsitzender er wurde. Mit großer Energie trieb er den Bau einer Synagoge voran, die bereits im September 1956 eröffnet wurde.
„Wir werden nicht aufhören zu mahnen und zu erinnern, wenn wir das Gefühl haben müssen, dass ohne unseren Zeigefinger die Ereignisse der Vergangenheit zu schnell vergessen würden.“ - Max Willner
Von 1954 bis 1957 war Willner Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Als geschäftsführender Direktor der ZWST in den Jahren 1958 bis 1979 trug er erheblich zu deren Professionalisierung bei. Mit seinen ausgeprägten Verwaltungskenntnissen konnte er ihr große Dienste erweisen. Seit 1964 war er zudem stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Einer seiner späteren Nachfolger, ebenfalls langjähriger Direktor der ZWST, Beni Bloch sel. A. fasste sein Wirken so zusammen: „Aufbau und Entwicklung der ZWST sind nach ihrer Wiedergründung im Jahre 1951 auf das engste mit der engagierten Tätigkeit von Max Willner verbunden. Durch seinen Einsatz und sein Verhandlungsgeschick verbesserte er nicht nur das Haushalts- und Finanzwesen, sondern setzte auch in der Personalpolitik neue Akzente, indem er der ZWST einen modernen Verwaltungsapparat schuf, der das reibungslose Funktionieren der Organisation über Jahrzehnte bis auf den heutigen Tag ermöglichte. All die Entwicklungen der ZWST wären ohne die von Max Willner gesetzten Fundamente nicht denkbar. Für die Leiden der Toten Zeugnis abzulegen und bedürftige Juden zu versorgen, war [ihm] zum Lebensinhalt geworden.“
Ein weiterer wichtiger Weggefährte war Karl-Heinz Thiel, damaliger Geschäftsführer der BAGFW. Seite an Seite haben sie lange Jahre in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) die Weichen der Sozialarbeit in Deutschland gestellt. Thiel unterstrich, wie prägend Willners Wirken für die Wohlfahrtspflege war: „Erst im Jahre 1961 wurde die heute gültige Bezeichnung „Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege" eingeführt. Im Juni 1966 konstituierte sich der bisherige lockere Zusammenschluss der Wohlfahrtsverbände zu einem eingetragenen Verein. Diesem Beschluss gingen lange und schwierige Verhandlungen voraus; Max Willner hat einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet. In vielen Bereichen hat Max Willner als Direktor der ZWST mitgearbeitet: engagiert, geprägt von Fachwissen und mit stetem Verständnis für die oftmals komplizierte Materie. Er hat sich während der Jahre seiner Mitarbeit bei der BAGFW viel Anerkennung und zahlreiche Freunde erworben. Ich zähle mich dazu.“

Am 11. November 1986 wurde ein weiterer wichtiger Meilensteilen in der Geschichte der Juden und Jüdinnen der Nachkriegszeit in Hessen gesetzt: Ministerpräsident Holger Börner und Max Willner unterzeichneten den Staatsvertrag zwischen dem Land Hessen und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Mit diesem Vertragswerk sind mehrere Zwecke erfüllt worden: Es garantierte die Existenz und das Wirken der jüdischen Gemeinschaft in Hessen und sicherte deren finanzielle Grundlagen. Darüber hinaus bestätigte es den Status der jüdischen Gemeinden als Religionsgemeinschaft und stellte sie mit den beiden christlichen Konfessionen auf eine rechtliche Ebene.
„Für uns gilt die Maxime: die Vergangenheit nicht vergessen, in der Gegenwart leben und für die Zukunft hoffen." - Max Willner

Ignatz Bubis sel. A., Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, verlieh Max Willner das Ehrensiegel in Silber der Jüdischen Gemeinde Frankfurt als Würdigung seines langjährigen sozialen Wirkens und in Anerkennung seiner Verdienste für die jüdische Gemeinschaft.
Am 12. September 1990 erhielt Max Willner den Hessischen Verdienstorden. Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Offenbach am Main wurde er von Oberbürgermeister Dr. Walter Suermann 1993 als „Mahner der Versöhnung, des Ausgleichs und des Verständnisses“ geehrt.
Die ZWST benannte ihre Freizeit- und Bildungsstätte in Bad Sobernheim nach Max Willner. Das Haus ist als jüdischer und koscher bewirtschafteter Treffpunkt in Rheinland-Pfalz einer der bekanntesten und beliebtesten Orte für alle Generationen, um sich auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und soziale Netzwerke zu bilden. Dort werden Bildungsaufenthalte, Seminare, Projekte und besondere Events durchgeführt. Zugewanderten Mitgliedern jüdischer Gemeinden wird ein vielfältiges Angebot zur Verfügung gestellt und ihre Integration unterstützt. Aktuell finden dort die jährlichen Sommermachanot der ZWST-Jugend für Kinder aus ganz Deutschland statt.

Max Willner leitete mit unerschütterlicher Energie und in ganzer Überzeugung den Neubeginn des jüdischen Lebens in Deutschland nach der Shoah ein. Dafür sind ihm die jüdische Gemeinschaft Deutschlands und die ZWST in tiefstem Dank verbunden.
„Da in den Köpfen der Menschen die Unmenschlichkeit beginnt, muss in den Köpfen der Menschen Vorsorge für die Menschlichkeit getroffen werden." - Max Willner