"Wie können wir jüdische Bildung in KiTas zeitgemäß, sicher und lebensnah gestalten?"

Vom 08. bis 10. März 2026 hatte die ZWST in Kooperation mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) zur Tagung für pädagogische Fachkräfte aus jüdischen Kindertageseinrichtungen (KiTas) geladen. 45 Teilnehmende aus ganz Deutschland trafen sich in Stuttgart zum fachlichen Austausch und Empowerment im Berufsalltag.
Michael Rubinstein, Geschäftsführer der IRGW sowie Vorstandsmitglied und Jugenddezernent der ZWST, würdigte in seinem Grußwort das Engagement der pädagogischen Fachkräfte und betonte die besondere Verantwortung jüdischer KiTas als Lern- und Schutzräume für Kinder und Familien. Anschließend führte Nachumi Rosenblatt, Leiter des Kinder-, Jugend- und Familienreferats der ZWST, mit einem Ice-Breaker in das Programm ein und schuf einen ersten Raum für Vernetzung. Den thematischen Auftakt bildete ein Workshop zu Lachyoga, der die Teilnehmenden wortwörtlich in Bewegung brachte. Mit Unterstützung der Stuttgarter Lachschule und praktischen Übungen erlebten sie, wie Humor, Körperwahrnehmung und gemeinsames Lachen zur Stressreduktion beitragen und Ressourcen für den pädagogischen Alltag stärken können. Der Abend klang in Kleingruppen („Cohort Working“) und einem informellen Get-together aus.
Der Montag stand ganz im Zeichen der fachlichen Vertiefung. Am Morgen ging es um „Singen mit Kindern im jüdischen Kitaalltag“ mit Liedern für die musikpädagogische Arbeit und Anregungen, wie Musik jüdische Inhalte niedrigschwellig vermitteln kann. In einem folgenden Input zur Medienbildung in Kindertagesstätten, gestaltet von Petra Wolf (Fachreferentin für Jugendmedienschutz und Medienpädagogik der Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg) wurden Chancen und Risiken digitaler Medien beleuchtet und konkrete Hinweise zum Schutz von Kindern im Umgang mit Medien vermittelt.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Vortrag „Umgang mit sexualisierter Gewalt in Kindertagesstätten“ von Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, Erzieherin, Sozialarbeiterin und Erziehungswissenschaftlerin. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit Prävention, Schutzkonzepten und ihrer Rolle als Ansprechpersonen für Kinder. Am Nachmittag bot ein Training bei „Krav Maga Stuttgart“ die Möglichkeit, sich mit Selbstbehauptung und Selbstschutz auseinanderzusetzen. Ein Angebot, das auf mehreren Ebenen Stärkung und Sicherheitserleben förderte.
Im Anschluss besuchten die Fachkräfte den Kindergarten HaShalom der IRGW. Dort stand die dialogische Bilderbuchbetrachtung im Mittelpunkt: Es wurde gezeigt, wie Bilderbücher genutzt werden können, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen, Sprache zu fördern und gleichzeitig jüdische Inhalte zu vermitteln. Der Tag endete mit israelischem Volkstanz „Rekudei Am“, der die Freude an Bewegung, Musik und Gemeinschaft erfahrbar machte.
Der letzte Tag widmete sich dem jüdischen Jahr im Kitaalltag. Nicole Schulman, Leiterin der KiTa Bereschit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, stellte eine flexible Vorlage für lebendige Bildungsarbeit vor, mit der jüdische Feiertage und Traditionen kindgerecht über das Jahr hinweg gestaltet werden können. In zwei parallel angebotenen Workshops („Jüdische Religion durch Kunst“ sowie „Jüdische Feiertage durch Tischtheater erleben“) erhielten die Teilnehmenden konkrete Methoden und Materialien für ihre Einrichtungen.
Ein besonderer Dank gilt dem Kindergarten HaShalom in Stuttgart und seiner Leiterin Sabina Morein, die mit großer Offenheit, Professionalität und Gastfreundschaft die Türen für uns geöffnet haben. Ohne die Unterstützung des Teams vor Ort, die Räumlichkeiten, die inhaltlichen Einblicke und die warmherzige Atmosphäre wäre die Fachtagung in dieser Form nicht möglich gewesen. Anastasia Quensel, ZWST