Nachruf Aviva Goldschmidt sel.A.

26. Dezember 1938 (4. Tewet 5699)
bis 9. Juni 2026 (24. Siwan 5786)
Heute ist Aviva Goldschmidt sel. A. im Alter von 87 Jahren verstorben. Sie war langjährige Leiterin des Sozialreferates der ZWST und später Vorstandsmitglied. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland verliert ein engagiertes und beherztes Vorbild, sie verliert einen besonderen Menschen.
Aviva Goldschmidt geb. Tuch wurde 1938 in Boryslaw (heutige Ukraine) geboren und überlebte als kleines Kind mit ihrer Mutter in verschiedenen Verstecken die Shoah. Nach dem Ende des Krieges ging sie nach Israel, holte dort das Abitur nach und absolvierte den Militärdienst. 1958 kam sie mit ihrem Mann nach Deutschland zurück. In Berlin studierte sie Sozialarbeit am Sozialpädagogischen Institut der Arbeiterwohlfahrt. Ihre erste Arbeitsstelle fand sie im Sozialreferat der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Danach arbeitete sie bis 1983 an der jüdischen Grundschule.
1984 wurde sie zweite Leiterin des Sozialreferates der ZWST seit Neugründung der ZWST im Jahre 1951. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit waren die Unterstützung der Überlebenden der Shoah und die Beratung der jüdischen Gemeinden bei der Aufnahme und Integration Kontingentgeflüchteter aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in den neunziger Jahren. Dazu kam die Ausbildung der Mitarbeitenden der jüdischen Gemeinden durch Seminare, Workshops und Studienreisen. Am wichtigsten war für sie der Besuch der Gemeinden vor Ort, um die spezifischen Probleme der Sozialarbeit zu erörtern und Beratung anzubieten. Sie trug außerdem maßgeblich zum Aufbau der Treffpunkte für Shoah-Überlebende und ihre Angehörigen bei.
Nach ihrem Ruhestand im Jahr 2000 engagierte sie sich mit ihrer langjährigen Erfahrung bis 2021 ehrenamtlich weiter im Vorstand der ZWST.
45 Jahre lang hat sie wie wenige andere die ZWST geprägt und begleitet.
Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorstand war es ihr immer ein wichtiges Anliegen, die ZWST und ihre Mitarbeitenden weiter zu unterstützen. Nicht nur ihr haupt- und ehrenamtliches Engagement, sondern auch ihre Haltung, Fürsorge und Liebe zum Beruf der Sozialen Arbeit, aber auch ihr warmes Gemüt werden uns schmerzlich fehlen. Wir wollen ihr ein ehrendes Andenken bereiten und die Arbeit der ZWST in ihrem Sinne fortsetzen:
„Wenn Menschen zu uns kommen, ist es unsere Pflicht, uns um sie zu kümmern.“
Aviva Goldschmidt war die letzte Shoah-Überlebende im Vorstand der ZWST. Es war ihr ein großes Anliegen, die Geschichte ihres Überlebens mit Menschen zu teilen, damit das Grauen der Shoah niemals vergessen wird. 2020 wurde ihre bewegende Geschichte in der Uraufführung des Zeitzeugentheaters verewigt.
Unsere Gedanken sind in diesen schweren Momenten bei ihren Kindern und Enkelkindern.
Aviva, du wirst uns sehr fehlen.
ברוך דיין האמת