Künstliche Intelligenz - Nicht ob, sondern wie

Künstliche Intelligenz - Nicht ob, sondern wie

Person am Bildschirm eine Rechners

Warum wir trotz berechtigter Bedenken KI nutzen sollten 

"Künstliche Intelligenz verändert die Art, wie wir kommunizieren, arbeiten und Entscheidungen treffen und stellt damit auch jüdische Gemeinden vor neue Aufgaben“, sagte Dr. Daniel Korn, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/Main, beim diesjährigen Digitalfachtag der ZWST. Ob Zmanim-Liste, Reiseplan für den Familienurlaub oder das Ordnen von Gedanken für einen Artikel für die „ZWSTinformiert“: Die Nutzung von ChatGPT, Claude und unzähliger anderer Modelle ist mittlerweile fast so normal, wie es bis vor kurzem die Google-Suche war.

KI on Speed 
Dabei hat die Entwicklung eine ungeahnte Geschwindigkeit angenommen. Fast täglich erscheinen neue Modelle und Funktionen, im Wettlauf um die Marktführung. Man kann KI Zugriff auf Rechner und Cloud gewähren, damit sie E-Mails und Dokumente auswertet und bspw. Vorschläge zur Unternehmensstrategie macht. Ein einziger Prompt genügt, um eine ganze App erstellen zu lassen. Die Möglichkeiten scheinen keine Grenzen zu kennen. Diese Geschwindigkeit birgt allerdings elementare Risiken. Modelle und sogenannte Agenten handeln zunehmend selbstständig und führen dabei auch gefährliche Aktionen aus. Die Modelle von OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) brachen jüngst aus einer vermeintlich sicheren Testumgebung aus, um fremde IT-Systeme zu hacken und Daten abzugreifen. 

Undurchschaubar & unersättlich
Die Logik der Modelle ist dabei so einfach, wie komplex: Je mehr Daten, desto passender die Antworten. Was den Modellen zur Verfügung steht, ist nichts anderes als menschliches Wissen, also Wikipedia, Leitmedien, wissenschaftliche Arbeiten oder Blogs. Wie Trainingsdaten zusammengestellt und gewichtet werden, bleibt für Nutzende jedoch vielfach intransparent. Eine Studie des Think Tanks Agora Digitale Transformation zeigt, welche Quellen marktführende US-Modelle nutzen. So kann z.B. Claude neben Leitmedien wie ZDF, tagesschau und Deutschlandfunk auch rechtsextreme und Desinformationsquellen heranziehen, ohne diese eindeutig zu benennen. Was zudem mit eingegebenen Informationen geschieht, ist ebenfalls nicht immer nachvollziehbar. Die US-Marktführer beispielsweise unterstehen dem US-Cloud-Act. Dieser kann sie jederzeit zwingen, Daten in die USA abfließen zu lassen, auch wenn sie auf EU-Servern liegen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Rechenleistung rasant. Der damit verbundene Ausbau von Rechenzentren erfordert große Mengen an Strom und Wasser. Auch die ökologische Dimension ist daher kritisch zu betrachten.

Mut-KI statt Schatten-KI
Bei aller Kritik: Es wäre falsch, die Konsequenz zu ziehen, KI nicht zu nutzen. Auf dem Markt erscheinen immer mehr leistungsfähige Lösungen, die Datenschutz und -hoheit in den Mittelpunkt stellen (z.B. Langdock & Sozial-KI). Aus Sicht der ZWST und jüdischer Gemeinden birgt das großes Potenzial, administrative Tätigkeiten schneller oder automatisiert zu erledigen. Wenn bei Förderanträgen, Rechnungen, der Dokumentation von Meetings oder der Tagesplanung Zeit eingespart wird, bleibt mehr Zeit für die Kernaufgabe: Die Arbeit mit den Menschen. Auch gegen Antisemitismus wird KI von zivilgesellschaftlichen Organisationen getestet, etwa bei der Erkennung antisemitischer Inhalte auf Social-Media-Plattformen.

Code of Conduct Demokratische KI
Dieser Artikel ist daher ein Plädoyer für Mut und Offenheit beim Einsatz von KI. Die Prämisse muss aber sein, Antworten kritisch zu hinterfragen, sensible Daten zu schützen und sich intensiv mit den technischen und gesellschaftlichen Folgen auseinanderzusetzen. Die ZWST hat deshalb den Code of Conduct Demokratische KI des Vereins D64 – Zentrum für Digitale Transformation unterzeichnet, um sich selbst einen klaren Rahmen für den Einsatz von KI zu setzen. Dabei verpflichten sich die unterzeichnenden Organisationen u.a. zu genauer Abwägung, an welchen Stellen KI tatsächlich eingesetzt werden soll. KI-generierte Inhalte müssen dann transparent gekennzeichnet werden. Entscheidend ist nicht, ob wir KI nutzen, sondern wie bewusst und verantwortungsvoll wir es tun.  Pawel Erenburg, Leitung Fachbereich MABAT für Digitale Transformation 

Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe von KI redaktionell geprüft. Inhalt und Stil wurden explizit vom Autor gesetzt.