Ein würdevolles Leben in Gemeinschaft

Ein würdevolles Leben in Gemeinschaft

Ältere Menschen in Gesellschaft

Treffpunkt „Café Mifgash“ für Holocaustüberlebende in Köln

Im Jahr 2021 wurde im Begegnungszentrum Chorweiler der Synagogen-Gemeinde Köln dank der Unterstützung der ZWST und der Claims Conference ein Treffpunkt für Holocaustüberlebende eröffnet: „Café Mifgash“. Der hebräische Name steht für das Ziel des Treffpunktes: Menschen zusammenzubringen, soziale Kontakte zu fördern und der Einsamkeit entgegenzuwirken. Im Kölner Stadtteil Chorweiler leben rund 800 jüdische Familien. Ein großer Teil der Gemeindemitglieder sind ältere Menschen, darunter viele Holocaustüberlebende aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Darüber hinaus ist Chorweiler ein Stadtteil mit vielen Sozialwohnungen, sodass zahlreiche ältere Menschen von sozialer Isolation und finanziellen Herausforderungen betroffen sind.

Bereits nach dem Start stieß das „Café Mifgash“ auf großes Interesse. Zu Beginn nahmen 94 Holocaustüberlebende teil, heute zählen wir 77 aktive Teilnehmende. Der Rückgang ist vor allem auf das hohe Alter der Zielgruppe zurückzuführen. Gleichzeitig konnten wir Holocaustüberlebende begrüßen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind. Sie nehmen heute aktiv an unseren Veranstaltungen teil und bereichern die Gemeinschaft. Im Rahmen des Treffpunktes verbinden vielfältige Angebote soziale Begegnungen, Beratung, Bildung und Aktivierung miteinander.

Während der Corona-Pandemie standen viele ältere Menschen vor der Herausforderung, soziale Kontakte auf digitalem Weg aufrechtzuerhalten. In dieser Zeit führten wir zahlreiche Hausbesuche durch, berieten die Teilnehmenden, richteten ihre digitalen Geräte ein und unterstützten die Senior:innen bei der Nutzung. Gleichzeitig entwickelten wir ein umfangreiches Online-Angebot, was zum Teil nach dem Ende der pandemiebedingten Einschränkungen beibehalten wurde. So findet das Gedächtnistraining bis heute zweimal im Monat online statt. Dadurch können auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität weiterhin aktiv am Gemeinschaftsleben teilnehmen. Darüber hinaus bieten wir Schulungen zur Digitalisierung für Senior:innen sowohl online als auch in Präsenz an.

Ein weiteres wichtiges Angebot ist das Projekt „Das Buch nach Hause“. Ehrenamtliche bringen Bücher zu älteren Menschen, die ihre Wohnung nur eingeschränkt verlassen können. Dieses Angebot bietet Raum für persönliche Gespräche und hilft, Einsamkeit zu verringern und soziale Kontakte aufrechtzuerhalten.

Das „Café Mifgash“ hat sich zu einem wichtigen Ort der Begegnung, des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung entwickelt. Mit seinen vielfältigen Angeboten trägt der Treffpunkt wesentlich dazu bei, die Lebensqualität von Holocaustüberlebenden zu verbessern, ihre soziale Teilhabe zu stärken und ihnen auch im hohen Alter ein aktives und würdevolles Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen.  Ilya Rivin, ZWST

Bella Kaliner (87): „Seit der Gründung des Begegnungszentrums Chorweiler nehme ich aktiv am Leben des Zentrums teil. Viele Jahre lang war ich ehrenamtlich tätig und habe die Mitarbeitenden des Zentrums bei der Organisation von Veranstaltungen unterstützt. Seit 2021 besuche ich regelmäßig das Café Mifgash, wo ich Bekannte treffe und mich zu Hause fühle. Besonders schätze ich die herzliche Atmosphäre, die Aufmerksamkeit des Teams und die vielfältigen Angebote, die uns älteren Menschen helfen, aktiv zu bleiben und mit den Veränderungen des Lebens Schritt zu halten.“

Juri Balkarei (88): „Im Namen von uns allen möchte ich mich bei allen Organisatoren des Begegnungszentrums Chorweiler  und des Projekts Treffpunkt bedanken. Vielen Dank dafür, dass ihr nicht einfach nur ‚Veranstaltungen durchführt‘, sondern euer Herzblut in sie steckt. Dank euch sind wir nicht in den vier Wänden unserer Erinnerungen gefangen. Wir bleiben Teil der Gesellschaft, wir werden gebraucht, wir stehen im Mittelpunkt des kulturellen Lebens.“