Editorial von Aron Schuster, Direktor der ZWST, Ausgabe 1-2026

Liebe Leserinnen und Leser,
elf nachweislich – teils sogar umgesetzte – Terroranschläge auf jüdische und israelische Institutionen und Personen in Westeuropa, systematische Ausspähungen jüdischer Einrichtungen, darunter auch Kindertagesstätten in Deutschland, die finanzielle Unterstützung weltweit agierender Terrororganisationen und die öffentlich propagierte Auslöschung des jüdischen Staates: All dies wird mancherorts noch immer als abstrakte Gefährdungslage abgetan. Für die jüdische Gemeinschaft weltweit hingegen ist seit Jahrzehnten klar, dass vom iranischen Regime eine konkrete und unmittelbare Bedrohung ausgeht. Das brutale Vorgehen der Islamischen Republik gegen die eigene Bevölkerung und die willkürlichen Raketen- und Drohnenangriffe auf zivile Strukturen in Israel zeigen, wie rasch propagandistische Drohungen in skrupellose Taten umschlagen können. Ein Ende dieses Regimes würde nicht nur dem iranischen Volk Freiheit zurückgeben, sondern auch jüdisches Leben weltweit sicherer machen und internationalen Terrorstrukturen zentrale Ressourcen entziehen. In den vergangenen Jahren ist zugleich deutlich geworden, dass dies nicht allein durch diplomatische Bemühungen erreichbar ist.
Während jüdische Einrichtungen unter massivem externem Sicherheitsdruck stehen, verschärft sich hierzulande ein weiterer, innergesellschaftlicher Konflikt: der finanzielle Druck auf soziale Einrichtungen und Dienste in Deutschland. Eine aktuelle Umfrage der Freien Wohlfahrtspflege zeigt, dass über 80 Prozent der Träger in den kommenden Jahren mit Einschränkungen rechnen, bereits ein Fünftel musste Angebote ganz einstellen. Diese Entwicklung trifft ausgerechnet jene Infrastruktur, die gesellschaftlichen Zusammenhalt erst ermöglicht – und die zugleich für den Schutz und die Teilhabe vulnerabler Gruppen unverzichtbar ist.
Für die ZWST bedeutet dies eine doppelte Belastung: Auch wenn die Herausforderungen unterschiedliche Ursachen haben, wirken sie sich auf die Handlungsfähigkeit der ZWST aus. Wir müssen jüdisches Leben stärken, während die finanziellen Rahmenbedingungen hierzulande immer fragiler werden und die Sicherheitslage für jüdische Einrichtungen durch die äußere Bedrohung angespannt bleibt. Dabei sind genau diese Faktoren die notwendige Grundlage unserer Arbeit. Denn Sicherheit, soziale Unterstützung, Teilhabe und ein verlässliches Netz an Diensten sind Grundpfeiler einer resilienten, demokratischen Gesellschaft.
Ihr Aron Schuster, Direktor der ZWST