Einsatz in Krisen- und Notfallsituationen

Neue Fortbildungsreihe Psychosoziale Notfallbegleitung
In herausfordernden Einsatzsituationen sind neben fachlicher Kompetenz auch psychosoziale Fähigkeiten von entscheidender Bedeutung. Um Sozialarbeitende in jüdischen Gemeinden und Einrichtungen gezielt auf den professionellen Umgang mit belastenden Ereignissen vorzubereiten, bietet das Sozialreferat der ZWST eine 5-modulige Schulung im Bereich der „Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV)“ an. Diese zertifizierte Fortbildung wird in Kooperation mit der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. durchgeführt.
Die praxisorientierte Weiterbildung, durchgeführt von professionellen Ausbildern mit langjähriger Erfahrung, vermittelt fundiertes Wissen sowie konkrete Handlungskompetenzen für den Umgang mit Betroffenen in Krisen- und Notfallsituationen. Die Schulungsreihe soll die Absolventen dazu befähigen, Menschen in Krisensituationen fachlich fundiert und einfühlsam zu unterstützen. Sie basiert auf einheitlichen Ausbildungsstandards, die eine hohe Qualität gewährleisten und sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Durch regelmäßige Fortbildungen, Supervision und eine enge Vernetzung wird zudem die kontinuierliche Weiterentwicklung sowie der fachliche Austausch nachhaltig gefördert.
Alle Teilnehmenden absolvieren bei der ZWST die vollständige Ausbildung zur Psychosozialen Notfallversorgung und erhalten diese mit einem entsprechenden Zertifikat bestätigt. Das Zertifikat entspricht den Kriterien zur PSAH (Psychosozialen Akuthilfe) in der PSNV in Deutschland und ist an nationalen Qualitätsstandards angelehnt. Mit diesem Nachweis können die Absolventen deutschlandweit in der PSNV mitarbeiten.
Die ersten, jeweils 2-tägigen Module wurden Ende August und Anfang September beim Regionalverband Rhein-Main der Johanniter in Frankfurt mit Stephanie Kreuzer (PSNV-Dozentin, Johanniter RV Rhein-Main), Sabine Schmidt (PSNV-Dozentin, Coach, Hofheim), Peter Kuschel und Olaf Schmidt (beide PSNV-Dozenten, PEER-Support) zu folgenden Themen durchgeführt:
- Grundlagen der Psychologie und Psychotraumatologie
- Kommunikation unter erschwerten Bedingungen
- Einsatzsimulation und Handlungstraining
- Psychohygiene und Selbstfürsorge
- Resilienz, Fallbesprechung und Supervision
Die weiteren Module im September und Oktober haben u.a. folgende Bereiche im Fokus: Tod, Sterben und Trauer, Suizid und Suizidalität, Bedeutung von Spiritualität, Zusammenarbeit mit Polizei z.B. bei unklarer Todesursache, Besonderheiten bei Großschadenslagen, Sensibilisierung der Teilnehmenden zum Thema Eigenschutz, Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, Begleitung im Familiensystem sowie in geschlossenen Systemen.
Irina Pirogova, Dipl. Sozialpädagogin, Jüdische Gemeinde Hameln-Pyrmont, 1. Vorsitzende:
„Man hat in jeder Minute gemerkt, dass beide Dozierenden aus einer langjährigen eigenen Praxiserfahrung heraus unterrichten. Die theoretischen Inhalte wurden dadurch lebendig, greifbar und absolut authentisch vermittelt. Dieser echte Bezug zur Praxis ist für mich enorm wertvoll.
Warmherzige Atmosphäre: Die Art und Weise der Vermittlung und der Umgang mit uns Teilnehmenden war außerordentlich warm, empathisch und wertschätzend. Man hat sich zu jeder Zeit sicher und gut aufgefangen gefühlt – was gerade im Bereich der PSNV eine wichtige Basis ist.
Die eingebauten Entspannungseinheiten haben perfekt dazu beigetragen, die Konzentration über den gesamten Zeitraum hochzuhalten und den Kopf zwischendurch zu entlasten.
Vielen Dank für diesen tollen Auftakt! Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Module.“
Mehrnaz Asgarian, Dipl. Pflegewirtin, Leitung Sozialer Dienst, Altenzentrum Frankfurt:
„Es ist ein (sehr) schweres Thema. Es hat Kraft gekostet, sich damit auseinanderzusetzen. Sich die Frage zu stellen, muss ich mir das antun und sich die Antwort zu geben: JA. Da es sehr wichtig ist, für Betroffene in schweren Stunden anwesend zu sein und sie dabei zu unterstützen, ihre Balance und Stabilität wiederzugewinnen. Ihnen zu vermitteln, dass ihr Empfinden wichtig ist. Die Referent:innen verfügen über ein großes und auch praktisches Wissen. Sie konnten mir mit den Beispielen aus ihren Erfahrungen die Theorie anschaulich vermitteln.“
Erika Frank, Dipl. Sozialpädagogin, Leitung Sozialabteilung, Jüdische Gemeinde Hamburg:
„Diese Ausbildung ist für die Betreuung und Begleitung der Gemeindemitglieder sowie für die Professionalisierung der Gemeindearbeit enorm wichtig. Durch die PSNV erhalten Betroffene qualifizierte Hilfe in einem breiten Spektrum von Notfallsituationen. Dazu gehören sowohl akut eintretende private Ausnahmesituationen, beispielsweise der Tod eines Angehörigen, als auch Naturkatastrophen sowie politisch bedingte Konflikte und Ereignisse.“