Nachruf Tirza Hodes

Nachruf Tirza Hodes

Nachruf Tirza Hodes

Die ZWST trauert um Tirza Hodes z“l

21. Juli 1922 (25. Tamus 5682) - 10. April 2024 (2. Nissan 5784)

Tirza Hodes, langjährige Wegbegleiterin der ZWST wurde 1922 in Düsseldorf geboren, musste als Kind vor den Schrecken der Shoah fliehen und sich für immer von ihrer Familie in Düsseldorf verabschieden. Sie wanderte nach Israel aus und schloss sich dort der Kibbutzbewegung an. Schließlich wurde Tirza Leiterin des Referats "Volkstanz" bei der israelischen Gewerkschaft Histadrut. Vor 45 Jahren gelang es der ZWST, Tirza als Tanzlehrerin für die Machanot, die Jugendbildungsaufenthalte nach Deutschland zu holen. Im Laufe der Zeit konnte sie für viele andere Projekte gewonnen werden: die langjährige Leitung der Tanzseminare der ZWST in Bad Sobernheim, Leitung der Bildungsaufenthalte für Senior:innen und Menschen mit Behinderung im Kurheim Beni Bloch u.v.a.m. Im Rahmen der Tanzseminare hat sie es geschafft, mehr als 20 Tanzgruppen in den jüdischen Gemeinden ins Leben zu rufen und damit auf unbeschwerte Art und Weise jüdische und israelische Kultur in den Gemeinden zu verankern. Ihre Erinnerungen an ihre bewegende Lebensgeschichte, ihr Aufwachsen in Düsseldorf und ihre rechtzeitige Flucht nach Palästina wurden von Guy Hodes, ihrem Enkel in einem Film festgehalten: „Mit leichten Schritten“. Tirza leistete einen unbeschreiblichen Dienst beim Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland und hat Generationen der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden geprägt. Tirza Hodes verstarb am 10. April 2024 (2. Nisan 5784) im Alter von 101 Jahren in Nordia, Israel. Die ZWST und alle ihre Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sind in Gedanken bei Tirzas Familie.

Möge ihr Andenken ein Segen sein

Jehi Sichra Baruch.

יהי זכרה ברוך

 

Unsere liebe Tirza,

wie viel verdanken wir dir.

Du hast mit uns getanzt,

Du hast mit uns gesungen,

Du hast uns Witze erzählt,

Mit uns Deutsch gelernt,

Mit uns Ivrit gelernt,

Mit uns Russisch gelernt,

Du hast die Freude dahin gebracht, wo Worte nicht reichten.

Du wurdest als jüdisches Mädchen in Düsseldorf geboren

und du konntest dich nach Palästina retten.

Du wolltest nie nach Deutschland zurück.

Du bist auch nie nach Deutschland zurückgekehrt, sondern an jüdische Orte. 

Du hast mit uns ein Zuhause gebaut, das wir nach zwei Wochen nicht mehr verlassen wollten, das immer bei uns geblieben ist. Du hast uns eine Heimat geschaffen, da wo keine war.

Du hast uns gezeigt, wie man einen Schritt nach dem anderen macht.

„Echad Schtajm Schalosch WE Hacke Spitze..“

Lebensfreude, das war deine Medizin für alles.

Sie hat dich getröstet und uns auch.

Du hast unsere Tränen getrocknet, uns zum Lachen gebracht,

Immer hast du verschmitzt gelächelt, abgewunken,

Du hast uns alles übersetzt, und angekündigt, was als nächstes kommt,

So dass wir verstanden, ohne alles zu kennen.

„Ah Od Lo Ahavti Daj – Ich habe noch nicht genug geliebt!“

Manchmal warst du streng mit uns, wenn wir unsere Füße nicht genug vom Boden gehoben haben, du wolltest, dass wir durchs Leben gehen, wie du getanzt hast – stark, bestimmt, selbstbewusst, mit aufrechter Haltung, stolz - und dennoch leichten Schrittes.

Du wolltest, dass wir die Welt durch deine Augen sehen. Du wolltest, dass wir lernen, die Hoffnung zu singen, damit wir sie fühlen können.

„Ani noladeti la Schalom – Ich bin für den Frieden geboren“

Wenn man fragt, wie viele Kinder du hattest, dann werden wir sagen 100.000. Denn jedes Kind, jeder Erwachsene und alle Senior:innen, die dir nur einmal begegneten, wurden zu deiner Familie.

Du warst unsere Lehrerin, unsere Mentorin, unsere Freundin.

Deine Schritte sprangen auf uns über – egal wie jung, egal wie alt. Wenn das Gehen zu schwer war, hast du im Sitzen mit uns getanzt. Wenn das Sprechen zu schwer war, hast du mit uns gesungen.

Du hast uns etwas gegeben, von dem wir dachten, dass wir es für immer verloren hätten. Etwas, das nur uns gehört.

Den Kindern in Bad Sobernheim, den Älteren in Bad Kissingen, auf den Seminaren, den Festivals, auf dem Jugendkongress, in den Gemeinden – von dir zu lernen, mit dir zu arbeiten, zu tanzen, zu singen, zu leben, zu sein – das war und ist unser größtes Geschenk.

Dein Andenken beginnt mit drei Schritten, die fast jedes jüdische Kind in Deutschland kennt:

Links - rechts - links - Wechselschritt.

Es endet nicht, weil man sich nach dem Ende des einen Liedes mit dir immer bereits auf das nächste freute.

Weil wir von dir gelernt haben, dass es immer weitergeht.

Deinen Nachruf, dein Andenken, dieser Segen, der du für uns bleiben wirst, schreiben alle deine Kinder zusammen.

„Schmorna Alejnu kemo Jeladim – Gib auf uns Acht wie auf Kinder. Gib auf uns Acht und geh nicht“

We Love you Tirza, we do!