Roots on the Road

Roots on the Road

Eine Gruppe Jugendlicher vor einer Synagoge
Das Machane vor der Dohány-Synagoge in Budapest

Europa-Machane 2025 - Erfahrungsbericht einer Madricha
 

Das gemeinsame Zünden der letzten Chanukka-Kerze in Budapest am 21.12. 2025 bildete den Auftakt des Europa-Machanes für 14 bis 18jährige Teilnehmende. Budapest war die erste Station dieser erstmalig stattfindenden Rundreise des ZWST-Jugendreferates. Vielfältige Stadtführungen ermöglichten den Chanichim:ot einen Einblick in zentrale Orte der Stadt: u.a. das Buda Castle, die Fischerbastei, der Heroes’ Square sowie das Shoes Memorial an der Donau. Ergänzend dazu wurden das Holocaust-Memorial und die Dohány-Synagoge, die größte Synagoge Europas, besucht. Diese Programmpunkte boten Anlass zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte und Erinnerungskultur. Im Rahmen mehrfacher Besuche des Jewish Community Centers in Budapest erhielten die Chanichim:ot Einblicke in das heutige jüdische Gemeindeleben vor Ort. Zu den Freizeitaktivitäten gehörte u.a. eine Schiffsfahrt auf der Donau.

Auf dem Weg von Budapest nach Bratislava hielten wir an dem Friedhof, wo sich das ursprüngliche Grab von Hannah Szenes befand, bis sie nach der Gründung des Staates Israel nach Jerusalem auf den Friedhof Har Herzl überführt wurde. Dieser Stopp an der heutigen Gedenkstätte knüpfte an Themen an, die das Machane über die gesamte Reise hinweg begleiteten. In Bratislava besuchten wir das Grab von Moses Sofer, geboren in Frankfurt, bekannt als „Chatam Sofer“, der führende orthodoxe Rabbiner des 19. Jahrhunderts. In Bratislava befand sich die größte Beit Midrasch le Rabbanim (Ausbildungsstätte für Rabbiner), in der in Hochzeiten 500 Schüler die Ausbildung machten. 

Am selben Tag ging die Reise weiter nach Wien. Hier starteten wir mit einer Stadtführung durch das jüdische Viertel, bei der unter anderem die Taborstraße, der Nestroyplatz, das Herzl-Haus sowie das Leopoldstädter-Tempel-Memorial und der Judenplatz (Holocaust Memorial) besucht wurden. Mit Beginn des Schabbats wurde das Programm ruhiger gestaltet. Am Schabbatmorgen besuchte das Machane die Haupt-Synagoge von Wien zum Morgengebet. Nach der Hawdala ging es in den Wiener Prater.

In Prag, der letzten Station des Machanes, besichtigten wir die Karlsbrücke und die Prager Burg, anschließend stand Bowling auf dem Programm. Am nächsten Morgen besuchten wir das jüdische Viertel Prags, die Synagogen, darunter die bekannte Golem Synagoge sowie den jüdischen Friedhof. 

Auf der Karlsbrücke führten die Madrichim:ot gemeinsam mit den Chanichim:ot ein Open-Air-Theaterstück auf: Es erzählt die Geschichte von „Eisig“. Eisig ist ein jüdischer Mann aus Krakau, der in Prag sein Glück suchte, es aber am Ende in seiner Heimatstadt in Polen fand. Auf dieser Überlieferung beruht der Satz: Das Glück liegt nicht in der Ferne, sondern ganz nah bei dir. 

Das Machane erstreckte sich über neun Tage und führte durch vier Städte – und war für die Teilnehmenden viel mehr als eine Abfolge von Programmpunkten. Sie setzten sich intensiv mit jüdischer Geschichte, Erinnerung und Gegenwart auseinander und lernten, dass unsere Wurzeln ein wesentlicher Teil unserer Identität sind. Viele Chanichim:ot nahmen ein gestärktes Bewusstsein dafür mit, dass jüdische Geschichte nicht nur etwas Vergangenes ist, sondern weitergetragen werden muss. Immer wieder wurde deutlich, dass sie verstehen konnten, dass sie selbst die Zukunft sind und Verantwortung dafür tragen, Wissen, Werte und Erinnerung weiterzugeben. Für die Zewet (Leiter:innen, Betreuer:innen, Team) war das Machane eine intensive und bereichernde Zeit. Nicht nur, weil auch wir neue Orte und bekannte Themen aus neuer Perspektive entdecken konnten, sondern vor allem durch die Offenheit und das große Interesse der Chanichim:ot. Die Auseinandersetzung mit Geschichte, jüdischem Leben und gemeinsamer Verantwortung war während der gesamten Reise präsent. Die gemeinsame Zeit war geprägt von Nähe, Austausch und vielen Gesprächen, die über das Programm hinausgingen. Für die Zewet war spürbar, wie sehr die Chanichim:ot in diesen neun Tagen gewachsen sind. Das Machane war für alle Beteiligten eine intensive, kulturelle und gemeinschaftliche Erfahrung, die noch lange nachwirken wird.  Biana Pyatova, Madricha