Fachbereich Frauen

Fachbereich Frauen der ZWST
Der Fachbereich Frauen der ZWST entwickelt und bietet bundesweite Angebote für Frauen* in unterschiedlichen Lebensphasen und Zugänge zu evidenzbasierten Studien und Forschung.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Gesundheitsvorsorge, psychosozialer Beratung und sozialer Unterstützung. Ziel ist es, einen informierten, selbstbestimmten und stärkenden Umgang mit gesundheitlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen zu fördern. Darüber hinaus sensibilisieren und qualifizieren wir Fachkräfte jüdischer Gemeinden für frauenspezifische und genderinklusive Themen.
Alle medizinischen Inhalte werden durch Fachexpertinnen und Ärztinnen begleitet.
*Unsere Angebote richten sich an alle, die von patriarchalen Strukturen betroffen sind – also auch an FLINTA-Personen (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Menschen) sowie weitere queere Identitäten. Wir wissen, dass dieser Raum nicht für alle automatisch sicher ist, und möchten ihn Schritt für Schritt so gestalten, dass sich alle willkommen, gestärkt und gesehen fühlen.
Angebote zum Thema Gesundheitsvorsorge
Smirat guf ha Isha - Gesundheitsvorsorge und Körpergefühl in verschiedenen Lebensphasen
Das Angebot dekonstruiert Mythen über den weiblichen Körper, erläutert Wissen zum monatlichen Zyklus und nimmt das Thema Hormone und Vorsorgeuntersuchung in den Blick.
Altersempfehlung: Ab dem 18 Lebensjahr
Wenn das Herz anders schlägt: Frauenspezifische Herzerkrankungen
Die häufigste Todesursache bei Frauen sind Herzkreislauferkrankungen, denn Frauenherzen schlagen anders. Was wir als Frauen hierzu wissen müssen und alle offenen Fragen werden im Rahmen dieses Angebotes mit Expertinnen aus der Kardiologie für fachfremde Personen einfach erklärt.
Altersempfehlung: Ab dem 18. Lebensjahr
„Was wir schon immer über Brustdiagnostik wissen wollten“ Brustkrebs-Früherkennung und andere Brust-Angelegenheiten.
In Zusammenarbeit mit Oberärztinnen und Expertinnen sprechen wir über Wissen und Erfahrung aus der Brustdiagnostik und erhalten wichtige Einblicke zum Thema Vorsorgeuntersuchungen und Screening.
Altersempfehlung: Ab dem 18 Lebensjahr
Die besten Jahre oder Hormon-Hölle?
In dieser Veranstaltung erklären wir, was im weiblichen Körper während der Menopause tatsächlich passiert, wie groß die individuellen Unterschiede sind, und welche Optionen sich daraus ergeben.
Altersempfehlung: Ab dem 25 Lebensjahr
Angebote zum Thema Körpererfahrung
Kenne Deinen Körper
In dieser Veranstaltung erhalten wir im Talk mit einer Sexualpsychologin und -wissenschaftlerin einen spannenden Einblick zum Thema Sexualität und Orgasm Gap. Unser Ziel ist es, bestehende Tabus zu durchbrechen und Mythen zu dekonstruieren.
Gemeinsam werden wir nicht nur die anatomischen Aspekte erkunden, sondern auch die soziokulturellen Einflüsse, die unser Verständnis von weiblicher Sexualität prägen. Dieser Talk bietet jedoch mehr als nur Informationen – er schafft einen Raum für Fragen, Diskussionen und einen offenen Austausch.
Schwangerenberatung - Angebot für Familien
„Beherajon“ (z.D. Schwangerschaft)
Beherajon bietet einen geschützten Raum für sensible Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und das Elternwerden. Das Angebot findet jeden 3 Sonntag im Monat statt.
Stillen ist kein Selbstläufer
Mit einer Hebamme und Stillexpertin dekonstruieren wir Mythen um das Stillen, thematisieren gesellschaftliche Erwartungen und Rollenzuschreibungen und geben zugleich hilfreiche Tipps sowie mögliche Anlaufstellen.
Babies erstes Jahr
Für Eltern und Kleinkinder bis 2 Jahre in Kooperation mit dem Familienzentrum im Westend.
Mamas erstes Jahr: Mein Körper nach Geburt und Schwangerschaft
In dieser Veranstaltung geht es um Wissen über die möglichen Veränderungen in den Monaten nach der Geburt und Schwangerschaft.
Alle dargestellten Angebote ersetzen keine ärztliche Sprechstunde
Netzwerk- und Austauschgruppe Chibur
Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung des Fachbereichs Frauen startet nun das Netzwerk- und Austauschformat Chibur.
Das Format Chibur ergänzt die bestehenden genderinklusiven Angebote des Fachbereichs Frauen und richtet sich gezielt an Frauen innerhalb der jüdischen Gemeinden deutschlandweit. Ziel ist es, Räume für Austausch, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung zu schaffen.
In regelmäßigen Netzwerk- und Austauschgruppen werden Themenschwerpunkte gemeinsam und interaktiv mit den Teilnehmerinnen erarbeitet. Dabei wird eine möglichst konstante Teilnehmerinnenstruktur angestrebt, um Vertrauen und Kontinuität zu fördern. Die Themen werden gemeinsam festgelegt, zum Beispiel in Form von Themenabenden.
Der Fachbereich Frauen begleitet den strukturellen und inhaltlichen Aufbau des Formats und unterstützt die Themenabende durch ein interdisziplinäres Netzwerk aus Psychologinnen, Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen.
Übergeordnetes Ziel von Chibur ist der nachhaltige Aufbau und die Verstetigung fester Netzwerkgruppen – von Frauen für Frauen.
Gruppenanfragen für Fort- und Weiterbildung
Anfragen zur Fort- und Weiterbildung für Mulitplikator*innen und Fachkräfte können jederzeit separat zu den bestehen Terminen angefragt werden. Auch die Anmeldung zum Newsletter zu den aktuellen Angeboten des Frauen- und Schwangerenbereichs können Sie an die unten angeführte Ansprechperson senden.
Hinweis: Der Fachbereich Frauen ist keine Beratungsstelle. Wir beraten nicht zu antisemitischer Gewalt, sexualisierter Gewalt oder weiteren Gewalterfahrung. Hierzu wenden Sie sich bitte an die nachfolgenden Beratungsstellen:
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
Beratung für Frauen: Hilfetelefon - Frauenhauskoordinierung e.V.
Gewalt gegen Frauen - Frauenhauskoordinierung - OFEK e.V. Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung
OFEK e.V. – Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung

Recap der Auftaktveranstaltung des Fachbereichs in Frankfurt am Main
Der erste Tag der Auftaktveranstaltung II stand im Zeichen des Vernetzens und des gemeinsamen Erlebens. Nach der Begrüßung durch Aron Schuster (Direktor der ZWST) und Ricarda Theiss (Leiterin des Fachbereichs Frauen), startete die Veranstaltung im Jüdischen Museum Frankfurt in einer warmen, offenen Atmosphäre. Unter dem Motto „Kochen, Care und Kollektive Stärke“ lag der Fokus des Abends auf dem gemeinsamen Essen und Kochen, gestaltet von Ana Romas (Köchin und Autorin). Das Kochen und gemeinsame Dinner fanden im Life Deli des Jüdischen Museums statt – mit großartiger Unterstützung des dortigen Teams. Im Anschluss hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, die Wechselausstellung „What a Family! Von Ruthe Zuntz – 500 Jahre im Fokus“ im Jüdischen Museum zu besuchen.
Lernen, Vertiefen, Empowerment
Am zweiten Tag öffnete der Workshop „Playground of [E]Motion“ mit Referentinnen von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit einen Raum, um eigene Erfahrungen zu reflektieren, neue Perspektiven auf die Wirkung von Diskriminierung zu gewinnen und sich auf körperbasierte und emotionale Lernprozesse einzulassen. Anschließend boten Workshops die Möglichkeit, sich mit vielfältigen Themen auseinanderzusetzen:
- Frauenkörper, Wissensmacht und Orgasm Gap, mit Hannah Arbitmann (Gynäkologin) und Eden Kosman (Psychologin)
- Was ist Sexismus und sexualisierte Gewalt? – Grundlagenworkshop mit antisemitismuskritischer Perspektive, mit Runa Hoffmann (Same But Different)
- Kreativer Austauschraum – ein offenes Format mit Ina Holev und Miriam Yosef (Jewish & Intersectional)
- Lebensmitte als Chance: Strategische Anpassung für finanzielle Unabhängigkeit, mit Vivian Birn (Menopause Counselling)
Der Abend wurde durch einen Vortrag von Dr. Lena Marie Seegers abgerundet. Seit 2023 leitet sie am Universitätsklinikum Frankfurt das erste universitäre Frauenherz-Zentrum Deutschlands, das sich gezielt den Herzgesundheitsrisiken von Frauen widmet. Ihr Vortrag gab tiefgehende Einblicke in aktuelle Forschungserkenntnisse und betonte die enorme Relevanz geschlechterspezifischer Medizin.
Wissenstransfer, Soziale Praxis, feministische Visionen
Der dritte Tag startete im ZWST-Treffpunkt für Shoah-Überlebende und ihre Angehörigen. Esther-Petri Adiel (Leiterin des Treffpunktes) vermittelte den Teilnehmenden einen Einblick in die bedeutende und sensible Arbeit, die dort täglich für Shoah-Überlebende und ihre Angehörige geleistet wird.
Im Anschluss folgte ein Impulsvortrag von Sabena Donath (Direktorin der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden). Unter dem Titel „Teilhabe, Bildung und Diskurse aus feministischer Perspektive in jüdischen Referenzräumen gestalten und mitdenken“ ließ sie neben ihrer professionellen Expertise persönliche Erfahrungen und Einblicke aus mehrjähriger Arbeit einfließen – unter anderem als Mitinitiatorin des Jewish Women Empowerment Summits. Sie betonte die Erfolge, aber auch zukünftige Herausforderungen.
Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (FH Potsdam) ging zunächst auf die Parallelen und Unterschiede zwischen Antisemitismus, Antifeminismus und Sexismus ein. Anschließend präsentierte sie zentrale Befunde der aktuellen Studie zu den Auswirkungen des Terrors vom 7. Oktober 2023 auf den Alltag jüdischer und israelischer Communities in Deutschland. Die in Kooperation mit Marina Chernivsky (Leiterin des Kompetenzzentrums antisemitismuskrische Bildung und Forschung) erstellte Studie basiert auf Beiträgen von über 110 Jüdinnen und Juden im Alter zwischen 16 und 80 Jahren, die über narrative Interviews, Gruppendiskussionen und dreimonatige Selbstbeobachtungen teilgenommen haben. Sie verband diese Erkenntnisse eindrücklich mit konkreten Handlungsperspektiven und verdeutlichte, wie antisemitismuskritische und feministische Arbeit ineinandergreifen müssen.
Den Abschluss des Tages gestaltete Katrin Frank (Referentin Familienhilfe/-politik, Frauen und Frühe Hilfen, Paritätischer Gesamtverband). Unter dem Titel „Wie kann die soziale Arbeit frauenpolitische Themen konsequent mitdenken?“ plädierte sie dafür, geschlechterbezogene Perspektiven als festen Bestandteil sozialer Arbeit zu verstehen. Diese Perspektive verband sich unmittelbar mit dem Credo von Sabena Donath, das die gesamte Veranstaltung durchzog:
Feministische Ansätze innerhalb jüdischer Räume weiter stärken, Erfahrungen sichtbar machen, Empowerment ermöglichen und gleichzeitig die strukturellen Herausforderungen der Zukunft benennen.
"Gleich drei verschiedene Orte in Frankfurt mit unterschiedlichen Schwerpunkten für den Tag zu setzen, war einfach ein Top abgestimmtes Programm."
Flyer zum Fachbereich Frauen
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